Konjunktur, schlechte - Leere Auftragsb + - HWKNO, Foto Graggo (1)
Graggo

22.04.2021: Dritte Corona-Welle verzögert Aufschwung im Handwerk

Konjunkturelle Kluft zwischen den Branchen wird größer

Die dritte Corona-Welle verzögert den Aufschwung in der heimischen Handwerkskonjunktur. Die Stimmungslage hat sich gegenüber der letzten Betriebsbefragung zum Jahreswechsel, nachdem damals ein erneuter Lockdown verkündet wurde, etwas stabilisiert. Doch der Vergleich mit den langjährigen Mittelwerten zeigt, dass die Konjunkturindikatoren weiterhin unterdurchschnittlich sind. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Wiesbaden für das 1. Quartal 2021. 

"Corona verhindert den Aufschwung. Das Handwerk kommt seiner Verantwortung zur Eindämmung des Pandemiegeschehens nach und hat ein Testangebot in den Betrieben erfolgreich auf- und ausgebaut. Eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung kann es aber nur über den Weg von mehr Impfungen geben", so Kammerpräsident Stefan Füll. "Impfen ist der entscheidende Faktor für den Aufschwung." Die aktuelle Geschäftslage der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Wiesbaden hat sich gegenüber dem Vorquartal kaum verändert. So berichten 38 Prozent der heimischen Betriebe von einer guten Lage, 36 Prozent halten sie für befriedigend und 26 Prozent für schlecht. "Gegenüber der Umfrage zum Jahreswechsel also nur eine geringfügige Verbesserung", so Stefan Füll, der aber eine konjunkturelle Kluft zwischen einzelnen Branchen sieht. 

Bau und Ausbau erholt sich, nur jeder zweite Kfz-Betrieb zufrieden 

Das konjunkturelle Klima hält sich über alle Branchen leicht stabil, aber die Kluft zwischen einzelnen Branchen vertieft sich. Während der Geschäftsklimaindex in Bau- und Ausbaugewerbe sowie dem Handwerk für den gewerblichen Bedarf steigt, haben die personenbezogenen Dienstleister (Friseure und Kosmetiker) und die Kfz- und Nahrungsmittelbetriebe den Erholungskurs von Sommer und Herbst 2020 nicht wieder einschlagen können. Die Entwicklung der Geschäftslage der Bau- und Ausbaubetriebe knüpft sogar an das Vorkrisenniveau an. Von saisontypischen Rückgängen im ersten Quartal 2021 war wenig zu spüren. Die Auslastungsquote lag bei über 80 Prozent und es stehen in den Büchern der Baubetriebe Aufträge für die nächsten 13 Wochen an (Ausbaubetriebe: 11 Wochen). Die kurzfristige Umsatzprognose im Bau und Ausbau lässt auf eine positive Entwicklung im Sommerquartal hoffen. In den Kfz-Handwerken jedoch sowie bei den personenbezogenen Dienstleistern ist das Geschäftsklima schlechter als noch im Herbst 2020, also vor dem zweiten Lockdown. Lediglich 41 Prozent der personenbezogenen Dienstleister berichten von einer zumindest zufriedenstellenden Geschäftslage und im Kfz-Handwerk nur jeder zweite Betrieb. Auch für das kommende Quartal ist die Prognose ausgesprochen negativ: In beiden Branchen erwarten 38 Prozent für das nächste Quartal nochmals sinkende Umsätze. 

Negativer Beschäftigtensaldo 

Die aktuellen Antworten der Betriebe zur Beschäftigungssituation geben weiter Anlass zur Besorgnis. Der Beschäftigtensaldo bleibt ähnlich negativ wie im Vorquartal. Im ersten Quartal 2021 ist bei 10 Prozent (Vorquartal: 9 Prozent) der Betriebe die Beschäftigtenzahl gestiegen, bei 18 Prozent indes gesunken (Vorquartal: 17 Prozent). In allen Handwerksbranchen gibt es mehr Betriebe, die Beschäftigte entlassen mussten, als Betriebe, die Beschäftigte eingestellt haben. Die Unterschiede in der Entwicklung der Branchen zeichnet sich trotz Kurzarbeit und Finanzhilfen des Staates auch bei der Beschäftigung ab. Im Kfz- und Lebensmittelhandwerk hat kaum ein Betrieb Mitarbeiter eingestellt, aber viele haben Mitarbeiter verloren. In den Branchen mit einer guten Geschäftslage liegt indes die Vermutung nah, dass der Fachkräftemangel und die erfolglose Suche nach Auszubildenden den negativen Beschäftigungssaldo verursachen. Einen Hoffnungsschimmer verbreitet die Prognose für das kommende Quartal: Bis zur Jahresmitte möchten mit 10 Prozent etwas mehr Betriebe die Belegschaft vergrößern, als dass sie sie verkleinern wollen.

Erwartungen für das 2. Quartal 

Trotz des verlängerten Lockdowns in der Corona-Pandemie und den vielen Unsicherheiten im Infektionsgeschehen sind die Erwartungen der Handwerksbetriebe für das kommende Quartal 2021 wieder gestiegen. Kammerpräsident Stefan Füll: "Unter dem Strich rechnen 63 Prozent der Betriebe mit einer stabilen Entwicklung und 18 Prozent erwarten ein verbessertes Geschäft zum Jahresende." Im Gegenzug rechnen nur noch 19 Prozent der Handwerksbetriebe insgesamt mit einer Verschlechterung. Auch mit Blick auf die Umsätze im kommenden Quartal gibt es einen Hoffnungsschimmer: 26 Prozent der Betriebe prognostizieren steigende Umsätze (13 Prozentpunkte mehr gegenüber dem Vorquartal). Füll: "In Nicht-Corona-Zeiten wäre ein solcher Anstieg ein deutliches Indiz für wachsende Umsätze gewesen. Aber in dieser Krise sind Prognosen unsicher, da die unklare Entwicklung der Pandemie weiterhin ein bedeutendes Abwärtsrisiko darstellt."