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Handwerkskonjunktur stabiler

Neue Belastungen durch Ukraine-Krieg befürchtet

Die aktuelle Geschäftslage der Handwerksbetriebe in Ober-, West- und Mittelhessen zeigt sich im 1. Quartal des Jahres 2022 konstant. Immer noch 44 Prozent der heimischen Handwerksbetriebe bezeichnen im Rahmen der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerksammer Wiesbaden ihre geschäftliche Situation als "gut", weitere 40 Prozent zumindest als "befriedigend". 16 Prozent bezeichneten ihre Geschäftslage als "schlecht". Damit liegt die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage der Betriebe immerhin 3,1 Prozentpunkte über dem langjährigen Mittel. Bemerkenswert ist, dass die Erwartungen für die kommenden Monate sogar noch positiver sind. 

"Hinsichtlich des ersten Quartals 2022 treffen Erleichterungen im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen auf neue Belastungen im Zuge des Ukraine-Krieges, die sich aber im Handwerk zum Glück noch nicht bemerkbar machen", bemerkte Kammerpräsident Stefan Füll. Die stärkste Wirkung sei bei den gestiegenen Einkaufspreisen von Vorprodukten, Rohstoffen und Energie zu verzeichnen, welche die Unternehmen nur zum Teil durch Anhebung ihrer Verkaufspreise an die privaten Konsumenten weitergeben könnten. 90,7 Prozent der Betriebe – ein absoluter Höchststand – leiden unter dem Anstieg der Preise. Die meisten Branchen konnten sich Füll zufolge im 1. Quartal recht gut behaupten, obwohl andererseits die positiven Erwartungen auf steigende Aufträge und Umsätze dabei nur verhalten zugenommen hätten. Vor allem die privaten Dienstleister, die Lebensmittel- und die Kfz-Betriebe würden sich erneut in einer angespannten bzw. kritischen Situation befinden. 

Bau und Ausbau zufrieden, Kfz-Betriebe mit Umsatzrückgang 

Trotz der Engpässe bei der Materialbeschaffung und des allgegenwärtigen Fachkräftemangels gibt das Bauhauptgewerbe ausgesprochen gute Rückmeldungen. 61 Prozent der Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer und Gerüstbauer vermelden eine gute Geschäftslage und nur 9 Prozent eine schlechte. Eine genauso gute Rückmeldung zur aktuellen Geschäftslage geben die Ausbaugewerke (Maler und Lackierer, Installateure und Heizungsbauer). Für 59 Prozent der Ausbaubetriebe ist die aktuelle Lage gut, für 38 Prozent befriedigend und nur eine kleine Gruppe von 3 Prozent ist unzufrieden. 

Das Kfz-Handwerk bewertet das Geschäftsklima erneut deutlich schlechter als im Vorquartal. Die massiv gestiegenen Rohöl- und Kraftstoffpreise im Zuge des Ukraine-Kriegs vermindern neben den Corona-Einschränkungen zusätzlich das Verkehrsaufkommen. Auch der erhöhte Reparatur- und den Wartungsbedarf konnte die Lieferprobleme bei Rohmaterialien und Vorleistungen sowie die Einbußen im Handel nicht kompensieren. Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen verzeichneten deutlich mehr Kfz-Betriebe im ersten Quartal von 2022 einen Umsatzrückgang als einen Anstieg der Umsätze. 

Das Jahresanfangsgeschäft der Betriebe im Lebensmittelhandwerk verlief überwiegend zufriedenstellend. Der pessimistische Ausblick der Erwartungen auf den Jahresanfang hat sich somit nicht auf die tatsächliche Entwicklung in diesem Maße niedergeschlagen. Die Bäcker, Fleischer und Konditoren, die zunächst eine weitere Durststrecke im Gastro- und Lieferbereich sowie im Take-Away-Geschäft aufgrund länger anhaltender Corona-Beschränkungen erwarteten, haben nun mit zusammen 68 Prozent eine optimistischere Erwartung auf ihre Geschäftslage in den kommenden Monaten.

Mehr Beschäftigte

Im 1. Quartal 2022 ist bei 21 Prozent der Betriebe die Beschäftigtenzahl gestiegen, bei 8 Prozent indes gesunken. Somit war im Gegensatz zum 4. Quartal 2021 der Anteil der Betriebe mit steigender Beschäftigtenzahl um fast 14 Prozentpunkte größer als der Anteil der Betriebe mit Personalabgang. Damit drehte sich im Vergleich zum Vorquartal der Saldo erstmals seit 2016 wieder deutlich ins Positive. Die dafür relevanten Faktoren können in der konstanten bis leicht positiven Entwicklung bei Umsatz und Auftragsbestand genannt werden.

Durchwachsene Erwartungen 

Die Geschäftslage für die Betriebe des Kammerbezirks Wiesbaden ist im 1. Quartal robust geblieben und die Erwartungen haben sich im Vergleich zum Vorquartal verbessert bzw. stabilisiert. Füll: "Damit haben sich die unmittelbaren Auswirkungen der pandemischen Entwicklung auf das Geschäftsklima weiter abgeschwächt." Dreiviertel der Betriebe erwarten eine unveränderte bzw. eine bessere Situation für das 2. Quartal 2022. Dabei fällt die einzelne Entwicklung in den Branchen nicht gleich aus, wenngleich die meisten von ihnen positive Erwartungen an eine stabile Geschäftslage im nächsten Quartal haben. Allerdings, so der Kammerpräsident, seien mit den Preissteigerungen und den Störungen der Lieferketten im Zuge des Ukraine-Russland-Konflikts neue Belastungen hinzugekommen. Bisher legen die Ergebnisse der Daten nahe, dass mit weiteren Preissteigerungen durch Störung von Lieferketten, Materialknappheit und allgemein stark angestiegenen Verbraucherpreisen zu rechnen ist.

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Dirk Kornau M.A.

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