Handwerkskammer Wiesbaden

Konjunkturbericht: Das Handwerk boomt weiter!

Herausfordernde Themen für das Handwerk sind der Lehrlingsmangel, die Digitalisierung, Diesel-Fahrverbote und die blaue Plakette.

Der Boom im heimischen Handwerk setzt sich auch im zweiten Quartal fort. Nach dem starken Jahresauftakt sind die konjunkturellen Signale aus den Betrieben im Wiesbadener Kammerbezirk auch im 2. Quartal positiv. "Der Geschäftskimlaindex, der die aktuelle und künftige Geschäftslage abbildet, hat einen historischen Höchstwert erreicht", stellte Kammerpräsident Klaus Repp fest. Entscheidend für die positive Bewertung ist die hohe Auftragsreichweite von zur Zeit mehr als neun Wochen und die damit verbundene hohe Betriebsauslastung. Der handwerkliche Arbeitsmarkt stellt sich in den Monaten April bis Juni nahezu ausgeglichen dar. Fast 90 Prozent der Betriebe hielten im Berichtszeitraum ihren Personalstamm oder stockten ihn gar auf. Die Beschäftigtenbilanz könnte noch besser ausfallen, aber angesichts eines in einigen Bereichen "leergefegten" Arbeitsmarktes fällt es den Betrieben zunehmend schwer geeignete Fachkräfte zu finden.



870 freie Ausbildungsplätze in der Lehrstellenbörse

Das Umfeld, in dem die Handwerksbetriebe derzeit versuchen, Lehrlinge zu gewinnen, gestaltet sich schwieriger. "Anstelle eines Lehrstellenmangels haben wir einen sich verschärfenden Lehrlingsmangel", so Kammerpräsident Repp. Nach seinen Angaben sind aktuell in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Wiesbaden 870 freie Lehrstellen gelistet. "Das Versprechen des Handwerks gilt: Jeder ausbildungswillige und ausbildungsfähige Jugendliche, vom Hauptschüler bis zum Abiturienten findet ein Angebot bei uns". Vor dem Hintergrund des ungebrochenen Trends zum Studium warb Repp dafür, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu stärken. Das Berufsabitur, also die Verknüpfung von Gesellenabschluss und allgemeiner Hochschulreife, sei ein interessantes Modell, um eine Ausbildung im Handwerk gerade für leistungsstarke Jugendliche attraktiver zu machen.



Handwerk 4.0

Hauptgeschäftsführer Bernhard Mundschenk machte deutlich, dass die Digitalisierung auch und insbesondere Handwerksbetrieben große Umwälzungen, aber auch Chancen biete. Viele Unternehmen nutzten bereits digitale Prozesse und seien erfolgreich auf dem Weg ins digitale Zeitalter, andere Betriebe wäre das Thema aber noch gänzlich unbekannt. Um möglichst alle Betriebe und deren Beschäftigte zu erreichen, sieht er es als wichtige Zukunftsaufgabe der Handwerkskammer, die digitale Transformation durch Beratung und Aus- und Weiterbildung zu unterstützen. "Jetzt gilt es, das Thema Digitalisierung auch in die Breite zu tragen. Wir müssen unsere Mitglieder sensibilisieren, informieren, beraten und fit machen. Deshalb ist auch die Einstellung eines Digitalisierungsberaters vorgesehen."

Grundvoraussetzung für ein Gelingen der digitalen Transformation im Handwerk ist nach Ansicht Mundschenks eine flächendeckende Breitbandversorgung. "Gerade in den ländlich strukturierten Gebieten wird schnelles Internet immer mehr zum Standortfaktor".



Keine Dieselfahrverbote oder Blaue Plaketten

Die aktuell diskutierten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge bzw. die Einführung einer Blauen Plakette stößt bei der Handwerkskammer auf entschiedene Ablehnung. Mundschenk erinnerte daran, dass noch Ende 2015 die Euro-5-Norm für Dieselfahrzeuge als ausreichend für die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte gegolten hat. Ein abruptes Fahrverbot, aber auch die Einführung einer Blauen Plakette würde das Vertrauen in die Verlässlichkeit schwer erschüttern. "Unsere Betriebe brauchen jetzt endlich Planungssicherheit sowie einen weitreichenden Bestandsschutz für bereits angeschaffte Fahrzeuge."



Schwarzarbeitsbekämpfung: Bessere Ausstattung bei Personal- und Sachmitteln notwendig

Legale Arbeit müsse gestärkt werden und zwar nicht nur durch eine verbesserte Verfolgung und Ahndung von Schwarzarbeit, sondern auch durch steuerliche Anreize. Kammerpräsident Repp begrüßte daher ausdrücklich das geänderte Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, das die Kontrollbefugnisse der Landesbehörden erweitert habe. Gleichzeitig forderte er nicht nur die Beibehaltung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen, sondern dessen Ausweitung. Im Hinblick auf die Verfolgung und Ahndung von Schwarzarbeit und unberechtigter Handwerksausübung sprach sich der Kammerpräsident für eine verbesserte Sach- und Personalausstattung bei den Verfolgungsbehörden aus.

Dirk Kornau M.A.

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