143. Vollversammlung Titelbild
Handwerkskammer Wiesbaden

Weiter Nachwuchs für das Handwerk gesucht

143. Vollversammlung der Handwerkskammer diskutiert die Lage am Ausbildungsmarkt

Der im September gewählte neue Kammerpräsident Stefan Füll begrüßte zur ersten ordentlichen Vollversammlung in der neuen Amtsperiode und äußerte die Hoffnung, dass das "Parlament des Handwerks" gemeinsam zum Wohle der Mitgliedsbetriebe der Kammer wirken werde. Die aktuelle Geschäftslage im Kammerbezirk brachte er anschließend auf folgenden Nenner: "Dem Handwerk in Ober-, West- und Mittelhessen geht es noch immer gut – und das im neunten Jahr in Folge." 90 Prozent der Handwerksbetriebe bezeichnen Füll zufolge ihre aktuelle geschäftliche Situation als "gut" oder mindestens "zufriedenstellend". Während das Wachstum mancherorts an seine Grenzen stoße, so der Kammerpräsident  weiter, seien die Auftragsbestände im Handwerk noch immer hoch. Erfreulicherweise habe man im dritten Quartal einen positiven Beschäftigungssaldo erzielt: 18 Prozent der Betriebe hätten neue Beschäftigte eingestellt, wohingegen nur 13 Prozent mit einer verkleinerten Belegschaft auskommen müssten.

Dabei spiele die Ausbildungssituation eine wichtige Rolle. Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahrs 2019/2020 seien im Kammerbezirk mehr als 3.500 neue Lehrverträge eingetragen worden, davon 393 mit Geflüchteten – ein kleines Plus von 16 gegenüber dem Vorjahr. "Damit erweisen sich die Betriebe nicht nur als Motor der Ausbildung im Mittelstand, sondern auch als Motor der Integration", betonte Füll. Ende Oktober seien aber auch noch immer Lehrstellen unbesetzt gewesen. Ohne Lehrlinge mit Fluchthintergrund wäre diese Lücke allerdings größer, denn dann würden die Neuabschlüsse bei den Lehrverträgen im Kammerbezirk um gut zehn Prozent niedriger ausfallen. Alle Anstrengungen, auch in der Berufsorientierung in Schulen, müssen darauf zielen, mehr junge Menschen für das Handwerk zu interessieren.

Starke Konkurrenz zur dualen Ausbildung

Die Lage am hessischen Ausbildungsmarkt stand auch im Mittelpunkt eines Vortrags von Dr. Frank Martin, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Er berichtete, dass die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im Ausbildungsjahr 2018/2019 in Hessen vor allem deshalb um acht Prozent rückläufig gewesen sei, weil Geflüchtete eine Lehre begonnen haben. Sie trügen inzwischen erheblich dazu bei, den Lehrlingsbedarf zu decken. Ohne diese Menschen mit Fluchthintergrund sähe die Lage schlechter aus. "Härtester Konkurrent der Ausbildung ist ein weiterführender Schulbesuch, für den teilweise massiv geworben wird", so Martin. Das duale Ausbildungssystem dürfe aber nicht im Wettbewerb mit einem Verweilen im Schulsystem stehen. Es müsse gelingen, den direkten Übergang von der Schule in den Beruf besser zu gestalten und die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler weiter zu stärken. Die Bundesagentur für Arbeit biete neben der Beratung vor Ort in den Schulen auch ein umfangreiches Online-Angebot. Schwerpunktmäßig wolle man insbesondere in der Sekundarstufe II, und hier auch in den Gymnasien, bestehende Angebote zur Berufsorientierung ausbauen und neue entwickeln.

Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit
Handwerkskammer Wiesbaden
Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit

Weiterhin stabiler Kammerbeitrag

Die Vollversammlung fasste einstimmig eine Reihe von Beschlüssen: Sie verabschiedete den Haushaltsplan der Kammer für das kommende Jahr und den Wirtschaftsplan des Betriebs gewerblicher Art "Zurverfügungstellung von Dienstleistungen". Ferner  entschied sie, dass die Prüfung der Jahresrechnungen der Handwerkskammer in der Wahlperiode 2019 bis 2024 durch die WI-Bank erfolgen wird.

Eine positive Nachricht an alle Handwerksbetriebe im Kammerbezirk ist ein weiterer einstimmiger Beschluss, nämlich die Festlegung, dass es beim Handwerkskammerbeitrag 2020 keine Änderungen der Beitragssätze geben wird. Damit bestehe – wie Kammerpräsident Füll hervorhob – bereits seit dem Jahr 2005 Beitragsstabilität.

Weitere Themen der Vollversammlung waren Nachberufungen von Arbeitnehmervertretern in Kammer-Gesellenprüfungsausschüsse sowie ein Bericht über die Aktivitäten mit den internationalen Schwesterkammern: Sowohl mit der Kammer in Avignon in Frankreich als auch mit derjenigen im polnischen Posen finde weiterhin ein reger  und regelmäßiger Lehrlingsaustausch statt.

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Dirk Kornau M.A.

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