Auszubildende Thu Trang Dinh sammelt bei einem vierwöchigen Praktikum in Frankreich Erfahrungen im Konditorenhandwerk
Thu Trang Dinh

Von Wiesbaden nach WissembourgVier Wochen Patisserie für eine angehende Bäckerin

Die Auszubildende Thu Trang Dinh sammelt bei einem vierwöchigen Praktikum in Frankreich Erfahrungen im Konditorenhandwerk und erweitert damit ihren beruflichen Horizont weit über die Bäckerei hinaus.

Brot backen kann sie. Jetzt wollte sie wissen, was sich in der Welt der feinen Patisserie lernen lässt. Vier Wochen lang tauschte eine Auszubildende des Backhauses Schröer in Wiesbaden den heimischen Ausbildungsbetrieb gegen die Patisserie Rebert im elsässischen Wissembourg. Dort bekam die angehende Bäckerin die Gelegenheit, in das Konditorenhandwerk hineinzuschnuppern und neue Techniken und Arbeitsweisen kennenzulernen.

 

Für die Auszubildende war das Praktikum zugleich eine besondere Reise: Ursprünglich kommt sie aus Vietnam und ist für ihre Ausbildung nach Deutschland gekommen. Inzwischen hat sie sich in ihrem Ausbildungsbetrieb etabliert – und bereits während ihrer Ausbildung mit besonderen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Von der Handwerkskammer Wiesbaden wurde Sie zum "Lehrling des Monats Dezember 2025" ausgezeichnet.

Dass sie nun für vier Wochen nach Frankreich gehen konnte, verdankt sie nicht zuletzt der Offenheit ihres Ausbildungsbetriebs. Das Backhaus Schröer stellte sie für die Dauer des Praktikums frei und ermöglichte ihr damit, Erfahrungen in einem anderen handwerklichen Umfeld zu sammeln.

Inhaberin der Patisserie Isabelle Gauguet und mit dem Konditormeister und Leiter der Backstube Enzo Pinto mit Ihrer Praktikantin Thu Trang Dinh vor der Patisserie.
Thu Trang Dinh

 

Vom Brot zur Patisserie

In Wissembourg stand für die Bäckerin nicht einfach ein Ortswechsel auf dem Programm. Das Praktikum bot ihr einen Einblick in ein Handwerk, das eng mit ihrem eigenen verbunden ist und gleichzeitig ganz eigene Schwerpunkte setzt. Präzision, Kreativität und ein sicherer Umgang mit Teigen und Zutaten spielen sowohl in der Bäckerei als auch in der Patisserie eine wichtige Rolle – die Arbeitsweisen und Produkte unterscheiden sich dennoch deutlich.

Gerade dieser Perspektivwechsel macht den Aufenthalt wertvoll. Die Auszubildende konnte ihre bisherigen Kenntnisse aus der Bäckerausbildung mit neuen Erfahrungen aus dem Konditoreihandwerk verbinden und dabei über den eigenen Ausbildungsalltag hinausblicken.

Der Ort dafür war passend gewählt: Wissembourg liegt im Elsass unmittelbar an der deutschen Grenze und ist durch seine deutsch-französische Geschichte geprägt. In der renommierten Patisserie Rebert konnte die Auszubildende damit nicht nur ein anderes Handwerk, sondern auch einen anderen beruflichen Alltag kennenlernen, ohne dass die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zu einer unüberwindbaren Hürde wurden.

 

Europa macht Ausbildung mobil

Finanziert wurde das vierwöchige Praktikum über das europäische Förderprogramm Erasmus+. Das Programm ermöglicht Auszubildenden, berufliche Erfahrungen im europäischen Ausland zu sammeln und dabei fachliche wie persönliche Kompetenzen zu erweitern.

Organisiert und begleitet wurde der Aufenthalt durch die Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft. Sie ist beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft angesiedelt und unterstützt junge Menschen und Ausbildungsbetriebe dabei, internationale Mobilität während der Ausbildung möglich zu machen.

Auch während ihres Ausbildungswegs in Deutschland erhält die junge Frau Unterstützung vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Begleitet wird sie dort durch das Projekt Wirtschaft integriert, das Menschen mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf unterstützt. Für die Auszubildende ist diese Begleitung ein wichtiger Baustein auf ihrem Weg durch die Ausbildung.

So greifen mehrere Angebote ineinander: Der Ausbildungsbetrieb schafft mit der Freistellung den notwendigen Raum für den Auslandsaufenthalt, das Projekt Wirtschaft integriert unterstützt während der Ausbildung, und die Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft eröffnet die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen im europäischen Ausland zu sammeln. Erasmus+ schafft schließlich den finanziellen Rahmen für das Praktikum.

 

Ein Gewinn für Ausbildung und Handwerk

Für die Auszubildende sind die vier Wochen in Frankreich mehr als eine willkommene Abwechslung zum Ausbildungsalltag. Sie zeigen, welche Möglichkeiten eine Ausbildung im Handwerk bieten kann, wenn Betriebe und Unterstützungsangebote zusammenspielen.

Der Aufenthalt in der Patisserie hat ihren Blick auf das eigene Handwerk erweitert. Neue Eindrücke aus der Konditorei, Erfahrungen in einem französischen Betrieb und der Alltag in einem anderen Land gehören nun ebenso zu ihrem beruflichen Erfahrungsschatz wie die Ausbildung zur Bäckerin im Backhaus Schröer.

Und vielleicht ist genau das eine der größten Stärken einer Ausbildung: Sie muss nicht an der Tür des eigenen Ausbildungsbetriebs enden. Manchmal beginnt das nächste Stück beruflicher Entwicklung dort, wo man bereit ist, für eine Weile über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Die Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft wird aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds gefördert.

 

Kontakt

Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V.
Region Rhein-Main
Berliner Straße 275
65205 Wiesbaden

Telefon 0611 94929-117
Telefax 0611 94929-150

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