Falk Heller, www.argum.com

Handwerkskonjunktur in Ober-, West- und MittelhessenVorsichtige Stabilisierung, aber noch keine nachhaltige Trendwende

Die Konjunktur im Kammerbezirk Wiesbaden hat sich im zweiten Quartal 2026 etwas aufgehellt. Rund 84 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Im Vorquartal waren es noch rund 74 Prozent. Die im Jahresverlauf erwartete Frühjahrsbelebung ist damit zumindest bei der aktuellen Lageeinschätzung teilweise eingetreten. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann dennoch noch nicht gesprochen werden.

 

Erwartungen bleiben verhalten

Der Blick auf das dritte Quartal ist entsprechend zurückhaltend: Nur 19,1 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, 17,4 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Fast zwei Drittel gehen von einer unveränderten Entwicklung aus. Der Geschäftsklimaindikator verbessert sich gegenüber dem Vorquartal von 108 auf 111,3 Punkte. Die Entwicklung deutet damit eher auf eine schrittweise Stabilisierung als auf einen dynamischen Aufschwung hin.

Zwischen den einzelnen Handwerksbereichen zeigen sich deutliche Unterschiede. Vergleichsweise gut fällt die Lageeinschätzung im Bauhauptgewerbe, im Ausbauhandwerk, im Kraftfahrzeughandwerk und in den Gesundheitshandwerken aus. Schwierig bleibt die Situation im Nahrungsmittelhandwerk. Dort bewerten lediglich 22,5 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage positiv, während 40 Prozent von einer schlechten Geschäftslage berichten.

 

Keine breite Belebung der Nachfrage

Eine bessere Stimmung ergibt sich bislang nicht aus den Auftragseingängen, die Konsumzurückhaltung gerade der privaten Kundensetzt sich fort. Nur 22,8 Prozent der Betriebe melden gestiegene Aufträge, bei 28,7 Prozent sind diese rückläufig. Knapp die Hälfte verzeichnet keine Veränderung. Zugleich verkürzte sich die durchschnittliche Auftragsreichweite von 10,1 auf 8,7 Wochen. Die durchschnittliche Betriebsauslastung liegt mit 77,3 Prozent nahezu unverändert und weiterhin unter dem langjährigen Mittel von 79,8 Prozent.

 

Kostendruck und Investitionszurückhaltung bleiben

Der Kostendruck bleibt für die Handwerksbetriebe weiterhin hoch. Über zwei Drittel der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen. Für das kommende Quartal erwarten ebenso viele weitere Preissteigerungen. Gleichzeitig konnten lediglich 32 Prozent der Betriebe höhere Verkaufspreise durchsetzen.

Die Investitionsbereitschaft bleibt ebenfalls auf schwachem Niveau. Nur 18,4 Prozent haben ihre Investitionen ausgeweitet, während ein Drittel weniger investierte. Für das kommende Quartal planen 34,5 Prozent weitere Kürzungen und lediglich 15,1 Prozent höhere Investitionen. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist noch keine Belebung erkennbar. 13 Prozent der Betriebe haben ihren Beschäftigtenstand erhöht, 13,9 Prozent Personal abgebaut. Bei 73,1 Prozent blieb die Beschäftigung unverändert.

 

Insgesamt sprechen die Ergebnisse für eine vorsichtige Stabilisierung der Handwerkskonjunktur und geben Anlass zu verhaltenem Optimismus. Ob daraus in der zweiten Jahreshälfte ein nachhaltiger Aufschwung entsteht, hängt insbesondere davon ab, ob sich die Nachfrage im privaten und öffentlichen Bereich belebt und die Betriebe wieder ausreichend Planungssicherheit für Investitionen erhalten.

Maximilian Deheck M.A.

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