Felix Vogel
Felix Vogel

Ein Hesse im Land der aufgehenden Sonne

Konditormeister Felix Vogel aus Braunfels bringt den Esprit seines Handwerks nach Japan. Besonderer Beliebtheit erfreut sich seine neu kreierte, japanische Version des klassischen Elisenlebkuchens.

Seit einem Jahr ist Felix Vogel in Japan. Etwa eine Stunde südlich von Tokio und Yokohama in der belebten Provinz Kanagawa direkt an der Pazifikküste. Motiviert, diesen Schritt zu gehen, habe den Konditormeister in dritter Generation der Konditorei Vogel in Braunfels seine Neugierde, die Welt zu entdecken. Während seiner Ausbildung zum Pâtissier und Chocolatier vor rund zehn Jahren im Elsass, arbeitete Felix Vogel mit vielen jungen Menschen aus Japan zusammen. Ihr respektvolles Miteinander faszinierte ihn. Daraufhin beschloss der Mittelhesse, ihre Kultur genauer kennenzulernen. In einem Interview verrät der 28-Jährige, mit welchen kulturellen Besonderheiten er täglich konfrontiert ist und in welcher Form das Konditorenhandwerk in Japan gelebt wird.

Herr Vogel, womit verdienen Sie in Japan Ihr Geld?

Ich bin als externer Berater in einer großen, familiengeführten Unternehmensgruppe tätig. In einer Schaubackstube präsentiere ich interessierten Gästen aus Tokio und Umgebung, was das deutsche Konditorenhandwerk mit seinen Klassikern, wie Stollen, Elisenlebkuchen oder Pralinen, zu bieten hat. Ein anderer wichtiger Teil meiner Arbeit ist die interne Weiterbildung des Teams sowie die erfolgreiche Entwicklung neuer Produkte.

Was ist die japanische Berufsbezeichnung eines Konditors?

Es wird Pâtissier aus dem Französischen verwendet.

Gibt es in Japan das Konditorenhandwerk, wie wir es aus Deutschland kennen?

In Deutschland verbinden wir mit einer Konditorei meist ein Kaffeehaus mit einer großen Auswahl an süßen Spezialitäten. In Japan gibt es diese Art der Kaffeehaus-Kultur nicht. Die dortigen „Konditoreien“ haben im Normalfall einen kleinen Laden und kein Café. Die Japaner sind sehr interessiert an traditionellen Produkten mit Charakter und Geschichte, wie zum Beispiel unserem deutschen Christstollen. Die traditionellen japanischen Spezialitäten sind oft klein, sehr süß und harmonieren so perfekt mit dem herben Matcha Tee. Wer nach Japan reist, sollte unbedingt ein Dora-yaki probieren. Das ist eine moderne japanische Süßigkeit, die aus zwei kleinen, fluffigen Pfannkuchen besteht, die mit einer süßen, roten Bohnenpaste gefüllt sind.

Genießt das deutsche Konditorenhandwerk einen bestimmten Ruf in Japan?

Sowohl wir Deutschen als auch unser Konditorenhandwerk, besonders unser Baumkuchen, genießen einen sehr guten Ruf. Neben Vorurteilen bezüglich deutschen Bieres und unserer Trinkfestigkeit kommen viele Japaner recht schnell auf unseren Arbeitsethos und die deutsche Pünktlichkeit zu sprechen. Ich kann viele Parallelen zwischen der Art zu denken, zu leben und zu arbeiten feststellen.

Welchen Stellenwert hat der Beruf des Konditors in Japan?

Auch in Japan ist die Hauptaufgabe eines Konditors, Menschen den Tag zu versüßen. Ich habe hier besonders viele, sehr begeisterte Konditoren getroffen, die ihren Beruf und ihr süßes Kunsthandwerk über alles lieben. Insgesamt hat der Beruf ein verdientes "süßes" Image und genießt vielleicht sogar einen höheren Stellenwert als in Deutschland. Japaner bringen Menschen, die mit großer Fertigkeit und Leidenschaft ihr Handwerk ausüben, viel Respekt entgegen.

Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Berufsausbildung?

Besonders der deutsche Meisterbrief gefällt den Japanern sehr gut. So hat auch der Präsident der Firma, für die ich hier tätig bin, seinen Meister im Konditorenhandwerk in München gemacht. Ein duales Ausbildungssystem nach deutschem Vorbild gibt es in Japan allerdings nicht. Dies stellt auch die größte Problematik dar. Es gibt zwar sehr kostenintensive private Anbieter für Zertifikate in Langzeitkursen, die mit Auslands-Praktika und einer theoretischen Ausbildung einhergehen, allerdings befähigen diese einen noch nicht, im Berufsalltag der meist anspruchsvoll geführten Konditoreien zu bestehen. Eine praktische Ausbildung in einer Konditorei formlos und ohne Zertifikat zu absolvieren ist nur möglich, wenn sich der Betrieb dazu entschließt, in die Zukunft junger Menschen zu investieren.

Welche kulturellen Besonderheiten fallen Ihnen auf?

Die Japaner sind sehr ruhig, alles ist ganz unaufgeregt - selbst in den mitunter sehr vollen Transportmitteln. Auch im Arbeitsalltag gibt es nur wenige Diskussionen zwischen Mitarbeitern, denn Hierarchien sind  hier sehr stark ausgeprägt. Für mich ist jedoch die Menge der gesprochenen Worte der größte Unterschied. 70 Prozent der Kommunikation findet non verbal oder durch bewusst nicht Ausgesprochenes statt.

Sprechen Sie Japanisch?

Ich spreche nun immer häufiger und durchaus verständlicher Japanisch. Mein Ziel war es, zu verstehen und verstanden zu werden. Die Japaner sind enorm geduldig und sehr höflich, das macht die Sache angenehm.

Planen Sie denn,  zurück nach Deutschland zu kommen?

Meine Frau ist Japanerin und so planen wir unsere gemeinsame Zukunft in unseren beiden Heimatländern, Deutschland und Japan.

Die Konditorei Vogel in Braunfels besteht bereits aus drei Meister-Generationen: (von links) Felix Vogel, Klaus Otto Vogel und Andreas Vogel.
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Die Konditorei Vogel in Braunfels besteht bereits aus drei Meister-Generationen: (von links) Felix Vogel, Klaus Otto Vogel und Andreas Vogel.

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