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Handwerkskammer Wiesbaden

"Gute Mitarbeiter suchen Betriebe, in denen Sie bis zur Rente bleiben können"

Mitarbeiter finden und binden (10): Sechs Fragen an Maler- und Lackierermeister Philipp Abraham

Junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern und qualifizierte Fachkräfte langfristig an den eigenen Betrieb binden: Das zu meistern ist aktuell eine der größten Herausforderungen des Handwerks. Einige Betriebe haben jedoch einen effektiven Weg gefunden, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wir stellen Handwerker vor, denen genau das gelingt und haben nachgefragt, wie sie dabei vorgehen.



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Handwerkskammer Wiesbaden

Philipp Abraham, Inhaber

Abraham Malerbetrieb GmbH

Damit verdienen wir unser Geld:

Mit hochwertigem Innenausbau im Bereich Maler-, Lackier-, Tapezier-, Trockenbau- und Bodenbelagsarbeiten, dekorative Gestaltungen an Wänden und Böden sowie Sanierung von Altbaufassaden

Mitarbeiterzahl:

22 Mitarbeiter

Anzahl an Lehrlingen:

2 Lehrlinge

www.malerabraham.de



1. Warum bilden Sie aus?

Das Ausbilden und der Umgang mit jungen Menschen ist ein fester Bestandteil des Handwerks. Der Fortbestand von Wissen und Qualität, aber auch von Tradition, ist nur durch die Ausbildungsarbeit der Fachbetriebe zu gewährleisten.

2. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Mitarbeiter?

Ehrlichkeit, Teamgeist, Zuverlässigkeit und (gedankliche) Flexibilität.

3. Welche Unternehmensphilosophie verfolgen Sie?

Wir sind in unserem Leistungsspektrum relativ breit aufgestellt. Unsere Strategie ist es, fernab des Objektgeschäfts und der anonymen Leistungserfüllung von immer gleichen Tätigkeiten, uns auf bestimmte Kundentypen und Problemstellungen zu konzentrieren. Unsere Kunden haben einen hohen Bedarf an technischer und gestalterischer Beratung. Man schätzt uns als zuverlässigen Planer und Dienstleister über den Malerbereich hinaus. Unsere Kunden verstehen, dass diese Dinge nicht selbstverständlich sind und dass ein gewachsener Ausbildungsbetrieb einen höheren Preis hat als so manch ein Mitbewerber. Ohne diese Ausrichtung wäre es uns gar nicht möglich richtig auszubilden. Denn eine Ausbildung sollte immer eine Investition sein!

4. Wie gehen Sie vor, um sowohl motivierte Lehrlinge als auch qualifizierte Fachkräfte für Ihren Betrieb zu finden?

Wir konnten uns in den letzten Jahren über einen sehr guten Zuspruch freuen und sind bedingt durch hervorragende Neueinstellungen, sowohl im praktischen als auch im administrativen Bereich, kontinuierlich gewachsen. 2014 haben wir mit einer Marketingagentur eine Content-Strategie erarbeitet und auch die Bereiche Internetauftritt und Social Media mit einbezogen. Ein neues Leitbild hat uns in der internen Kommunikation sehr weitergeholfen und die optimierte Außendarstellung hilft uns, die Attraktivität des Unternehmens zu potentiellen Mitarbeitern und Auszubildenden zu transportieren.



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5. Hinsichtlich der Mitarbeiterbindung: Schaffen Sie bestimme Anreizsysteme oder besondere Vorteile für Ihre Mitarbeiter?

Trotz aller Überlegungen und Anstrengungen ist und bleibt das Malerhandwerk eine Branche mit einem sehr schwierigen Konkurrenzumfeld. Obwohl wir die Meisterpflicht haben, gibt es kaum ein Regulativ und die Hürde, um am Markt mitmischen zu können, ist durch vergleichsweise einfache Tätigkeiten und geringen Technikeinsatz sehr niedrig. Die Branche hat zwar ganz sicher einen wachsenden Mangel an Facharbeitern, aber offensichtlich keinen Mangel an Dienstleistern. Wir sind froh, dass wir durch unsere Positionierung alle Mitarbeiter nach Tarif und auch darüber entlohnen können. Wir stellen fest, dass Anreize nur über die Bezahlung grundsätzliche Probleme und Bedürfnisse nicht kompensieren können. Wir schätzen den Wert von Freizeit, Kontinuität, eine gute Work-Life-Balance ebenso hoch ein, wie die leistungsgerechte Bezahlung. Unsere Mitarbeiter schätzen Ihre 39 Stunden Woche, kommen fast komplett ohne Überstunden und Wochenendarbeit aus und freuen sich über abwechslungsreiche Arbeiten für nette Kunden. Unsere Baustellen sind fast ausschließlich in einem Umkreis von zehn Kilometern – wer Familie hat, weiß dies besonders zu schätzen.

6. Welchen Rat würden Sie Handwerkern geben, die händeringend nach Lehrlingen oder Fachkräften suchen?

In regelmäßigen Mitarbeitergesprächen haben wir immer wieder gesagt bekommen, dass man eher weniger Stunden leisten möchte, als mehr zu verdienen. Ich denke, dass die Arbeitsbelastung, das Arbeitsumfeld und die Kommunikation innerhalb der Firma ganz wichtige Aspekte der Mitarbeiterzufriedenheit sind. In vielen Betrieben sind Überstunden, Samstagsarbeit und hoher Arbeitsdruck normaler Alltag. Gute Facharbeiter suchen nach Betrieben, in denen Sie gesund bis zum Rentenalter bleiben können. Wo die Leistung und die Person wertgeschätzt wird. Wo man sich weiterentwickeln kann und auch darf. Mein Rat: Wenn man all die Werte und Eigenschaften, die man an einem Mitarbeiter schätzt, nicht selber mitbringt und auch vorlebt, werden jegliche Anwerbungsversuche scheitern oder nur von kurzer Dauer sein.



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