Holzblasinstrumentenbauer, Betriebsbesuch
HWK Wiesbaden

Keine Blockflöte klingt gleich

Handwerk aus Leidenschaft: Christoph Hammann aus Taunusstein ist Meister im Holzblasinstrumentenbau

In einer Szene des international prominent besetzten Films "Luther" über die Lebensgeschichte des gleichnamigen Kirchenreformators aus dem Jahr 2003 hat Christoph Hammann einige der von ihm gefertigten historischen Holzblasinstrumente wiedererkannt. Daneben kann der Meister im Holzblasinstrumentenbau aus Taunusstein auch von besonderen Aufträgen für den ehemaligen Dirigenten der Salzburger Festspiele, Nicolaus Harnoncourt,  und den Blockflötisten Maurice Steger, der vor zwei Jahren die Auszeichnung ECHO Klassik gewann, berichten.

Handwerk, das Vieles miteinander verbindet

Dabei hatte der gebürtige Rheinländer nach dem Abitur eigentlich andere berufliche Pläne. Doch nachdem er ein Konzert für Alte Musik besucht und dort einen Holzblasinstrumentenbauer kennengelernt hatte, war es um ihn geschehen. "Das weckte in mir die Idee, ein Handwerk zu erlernen, dass so Vieles miteinander verbindet – Musik, Akustik, Kunst, Handwerk und Betriebswirtschaft", erinnert sich Hammann. So stieg er 1984 in den Betrieb von Peter Kobliczek in Taunusstein ein, den er nach seiner Meisterausbildung bei der Handwerkskammer Wiesbaden in den folgenden Jahren übernahm und bis heute weiterführt. In den 1980er Jahren erlebte die Blockflöte eine Renaissance und entsprechend gut lief das Geschäft mit Holzblasinstrumenten nach historischem Vorbild. "Ab den 1990er Jahren setzte dann ein freier Fall nach unten ein. Die Musiker nahmen stetig ab und viele andere Instrumentenarten wurden populär", erklärt Hammann, der neben Renaissance- und barocken Blockflöten auch auf Pan- und Papageno-Flöten spezialisiert ist und selbst Querflöte spielt.

Bei seinem Handwerk handele es sich um einen Nischenberuf, mit dem allein es schwer falle, seine Existenz zu bestreiten. "Viele Kollegen müssen über ihren Renteneintritt hinaus weitermachen, um im Alter über die Runden zu kommen." Die Blockflöte schaffe es zudem bis heute nicht aus ihrem stiefmütterlichen Dasein hinaus und werde nach wie vor als Anfänger- oder Kinderinstrument angesehen. Auch wenn Hammann neben Renaissance- und barocken Nachbauten viele Schülerinstrumente herstellt, die sich von den industriell gefertigten Massenmodellen abheben sollen, gehören zu seinem Kundenstamm ebenso professionelle Musiker und Blockflöten-Pädagogen, die dafür ein Hochschulstudium absolviert haben.

Kunden wollen Instrumente anfassen und erfühlen

"Keine Blockflöte klingt gleich; alle haben eine persönliche Note", hebt er hervor. "Meine Kunden wollen ihre Instrumente vor Ort anfassen und erfühlen, um sich einen persönlichen Eindruck davon zu verschaffen." Um auf Sonderwünsche einzugehen, stellt er manches der dazu erforderlichen Spezialwerkzeuge kurzfristig selbst her. "Mein Handwerk hat somit auch ein bisschen was vom Maschinenbauer und Werkzeugmacher."

Durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) und die damit notwendig gewordenen Rechenschaftspflichten werde seine Arbeit allerdings zunehmende bürokratisch belastet. Deshalb habe er eine Vorerwerbsgenehmigung für exotische Hölzer wie Ebenholz und Palisander erhalten und wolle diese Materialien nach dem Verbrauch seines Vorrats nicht weiter einsetzen. Es gebe genügend einheimische Hölzer, die geeignet sind, meint Hamann.

"Kulturgut" Blockflöte

Im Grunde schaufele sich sein Handwerk ohnehin sprichwörtlich sein eigenes Grab, ergänzt er lächelnd, denn die Produkte seien derart langlebig, dass eine Reparatur nur selten notwendig werde. Sein im Rhein-Main-Gebiet strategisch sehr gut gelegener Betrieb beliefert Kunden im In- und Ausland, die ihren Aufenthalt in dieser Gegend auch gerne dazu nutzten, nach Taunusstein aufzubrechen. Darüber hinaus ist der Holzblasinstrumentenbauer mehrmals im Jahr auf Ausstellungen in London, Paris, Wien oder Amsterdam vertreten. Die zunehmende Digitalisierung und Massenproduktion könnten sich, so hofft er, in seinem Handwerk in das genaue Gegenteil umkehren und den Blick wieder vermehrt auf die schönen Dinge wie etwa das "Kulturgut" Blockflöte richten. So fänden die meisten seiner Kunden nach wie vor durch Weiterempfehlung zu ihm. Hammann, der unter seinen Auszubildenden bereits eine Bundessiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks hervorgebracht hat, versteht seine Arbeit als transparente und greifbare Aufgabe. "Wenn ich etwas Individuelles herstelle, brauche ich auch den persönlichen Kundenkontakt."