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Handwerkskammer Wiesbaden

Wenn Existenzängste auf der Tagesordnung stehen

Drei Handwerksmeister erzählen, wie die Corona-Krise die Ausübung ihres Handwerks verändert und welche Folgen sie erwarten.

Geschlossen

Als Christian Bürger seinen Friseursalon "SchönSchräg" in Wiesbaden abschließt, befindet er sich in einer Art Schockstarre.

Natürlich stehe er hinter der Entscheidung von Bund und Ländern, Friseursalons aufgrund der zunehmenden Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus zunächst für zwei Wochen zu schließen. Es gehe schließlich um die Gesundheit der Menschen. Auch ist er durch diese Entscheidung endlich aus dem Zwiespalt der Fürsorgepflicht entbunden: denn das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter und Kunden steht für den Friseurmeister an erster Stelle.

Er braucht nun nicht mehr täglich neu zu entscheiden, ob er seinen Mitarbeitern den Arbeitsalltag noch zumuten kann und ob alle verschärften Hygienemaßnahmen für seine Kunden und sein Team auch wirklich ausreichend sind. Doch welcher wirtschaftliche Schaden durch die vorübergehende Schließung entstehen wird, daran möchte Christian Bürger gar nicht denken. Die Situation als belastend darzustellen, reiche seiner Meinung nach nicht aus. "Es geht hier wirklich um Existenzängste", erzählt er. Und diese habe nicht nur er, sondern auch seine mehr als 15 Mitarbeiter.

Schon zwei Wochen vor der nun offiziell angeordneten Schließung seien bereits 40 Prozent des Umsatzes weggebrochen. "Viele unserer Kunden haben kurzfristig aus gesundheitlichen Bedenken abgesagt oder haben im Ausland festgesessen", erinnert sich der Friseurmeister. Durch die geballten Absagen kam es zu großen Lücken im Terminkalender, die eine unwirtschaftliche Personalbesetzung und Leerlauf während der Öffnungszeiten nach sich zogen. "Ein Damenhaarschnitt mit aufwendigen Färbetechniken kann schon mal bis zu vier Stunden dauern. Wenn kurzfristig solche Sitzungen ausfallen, reißt das natürlich Löcher in unseren Zeitplan, die so schnell auch nicht mehr adäquat besetzt werden können", beschreibt Christian Bürger. Auch haben sie kleinere Dienstleistungsangebote, wie Ponyschneiden, Bartrituale und das Behandeln von Augenbrauen oder Wimpern, aufgrund der körperlichen Nähe eingestellt.

Jetzt sind seine beiden Salons in Mainz und Wiesbaden ganz geschlossen und es kann vorerst gar kein Umsatz mehr generiert werden - die Ladenmieten müssen dennoch weiter entrichtet werden. Auch um seine Mitarbeiter sorgt er sich, die durch die Maßnahme der Kurzarbeit nur rund 60 Prozent ihres Nettolohns erhalten. "Man braucht da auch nichts beschönigen. 60 Prozent von einem Friseurgehalt sind nicht viel", betont er.

Für ihn als Unternehmer sei bisher noch keine passende Lösung gefunden, der Unterhalt für ihn und seine Familie sei demnach nicht gesichert. Zwar könne er rund acht Wochen noch alles aufrechterhalten, dennoch habe er große Angst davor, dass aus den aktuellen zwei Wochen der Salonschließung auch vier oder sechs Wochen werden könnten. Ohnehin würde es mehrere Monate dauern, den bis jetzt schon entstandenen Schaden wieder zu glätten. Am schlimmsten sei für alle Beteiligten jedoch die Ungewissheit.



Schönschräg, Christian Bürger

Friseurmeister Christian Bürger in seinem Salon "SchönSchräg" in Wiesbaden
www.schoenschraeg.de

Fahrrad Zentrierständer Radwerkstatt
Die Radwerkstatt - Wiesbaden

Ein Zentrierständer in der Werkstatt von Jörg Matthias Weber
"Die Radwerkstatt"
www.die-radwerkstatt.de

Kontaktlose Übergabe

"Bitte klopfen Sie bei vereinbarter Reparaturabgabe bzw. Abholung an die Eingangstür. Die Annahme/Übergabe erfolgt kontaktlos unter Einhaltung eines Sicherheitsabstands von 2 Metern und den geforderten Auflagen vor dem Geschäft": Was im ersten Moment skurril klingt, ist nichts anderes als die neue Realität von Zweiradmechanikermeister Jörg Matthias Weber, Inhaber der Fahrradwerkstatt "Die Radwerkstatt" in Wiesbaden. Um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus so gering wie möglich zu halten, schloss er bereits vor einer Woche seinen Laden und bietet seither nur noch Fahrradreparaturen, keinen Verkauf von Fahrrädern und Ersatzteilen mehr, an. Ob Jörg Matthias Weber damit über die Runden kommt, kann er noch nicht einschätzen.



"Sperrzone" eingerichtet

Auch Bäckermeister Mario Roth hat in seiner Bäckerei in Ober- und Niederbrechen einige Schutzmaßnahmen zur Anpassung an die aktuelle Situation ergriffen. Für seine Filialen gibt seit Kurzem eine Zugangsbeschränkung von maximal drei Kunden, die gleichzeitig den Laden betreten dürfen. Auch wurde der Selbstbedienungsbereich im Laden zur "Sperrzone" erklärt und der Café-Betrieb vorerst eingestellt. Dennoch beobachtet der Bäckermeister: "Es kommen insgesamt zwar weniger Leute in unseren Laden, kaufen dafür aber mehr ein. Besonders Brot erfährt aktuell eine große Nachfrage". Die Angst vor einer temporären Schließung ist bei Mario Roth gegenwärtig. Zwar ist das Haus, in dem die Filiale in Oberbrechen zu finden ist, das Eigentum der Familie Roth, jedoch ist für den zweiten Standort in Niederbrechen eine  monatliche Ladenmiete fällig. "Auch wenn wir dies kurze Zeit ohne Umsätze durchstehen könnten, niemand kann diese Situation lange aushalten, ohne daran zu zerbrechen", so Mario Roth.

Zwei Aspekte heben jedoch alle drei Handwerksmeister, unabhängig von ihrer jeweiligen Tätigkeit, hervor: Am Markt herrsche ein enormer Preisdruck und Mieten für Gewerbeflächen seien ohne Rücksicht auf Verluste fällig. Beides führe dazu, dass es Unternehmern wohl zunehmend erschwert werden würde, Rücklagen zu bilden und somit zuversichtlich gegen eine Krise gewappnet zu sein.

Mario Roth Bäckermeister 2
Handwerkskammer Wiesbaden

Bäckermeister Mario Roth in seiner Backstube
www.baeckerei-roth.de

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