Rund 90 Gäste im Wetzlarer Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Lahn-DillJahresempfang Mittelhessen in Wetzlar rückt Belastung der Arbeit in den Mittelpunkt
"Die Antwort auf steigende Ausgaben darf nicht immer nur lauten, Arbeit wei-ter zu verteuern. Die Grenze der Belastbarkeit ist erreicht", mit diesem klaren Appell wandte sich Kammerpräsident Stefan Füll beim Jahresempfang Mittelhessen der Handwerkskammer Wiesbaden an die rund 90 Gäste im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Lahn-Dill "Arnold-Spruck-Haus" in Wetzlar. Vertreterinnen und Vertreter aus Handwerk, Politik, Verwaltung und Wirtschaft kamen bei der 16. Auflage der Veranstaltung zusammen, um über zentrale Herausforderungen für die Betriebe und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Mittelhessen zu sprechen.
"Wer Mittelhessen stark halten will, muss das Handwerk stark halten“, erklärte Füll. In den Städten und Gemeinden der Region übernähmen die Betriebe täglich Verantwortung für Versorgung, Infrastruktur und Ausbildung. Gerade deshalb brauche das Handwerk verlässliche Rahmenbedingungen, Vertrauen und mehr Spielraum für Leistung"
Handwerk zwischen Verantwortung und Wandel
Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gießen Dr. Christoph Ullrich stellte die Bedeutung des persönlichen Austauschs zwischen Wirtschaft, Poli-tik und Verwaltung in den Mittelpunkt. Gerade in Krisenzeiten brauche es Be-gegnungen, bei denen Verantwortungsträger miteinander ins Gespräch kämen. Mit Blick auf Bürokratie warb er für mehr Vertrauen in die Akteure vor Ort und für Regeln, die Orientierung geben, ohne wirtschaftliche Initiative zu lähmen.
Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner bezeichnete das Arnold-Spruck-Haus als besonderen Ort für Wetzlar und die Region. Das Handwerk stehe für Nähe, Verlässlichkeit, Ausbildung und gelebte Verantwortung in Städten und Gemeinden. Die geplante Erweiterung des Standortes an der Bachweide wertete er als klares Bekenntnis der Handwerkskammer Wiesbaden zu Wetzlar und Mittelhessen.
Universitätsprofessor Dr. Michael Stephan rückte in seinem Referat "Zukunft Handwerk. Von der Tradition zur Transformation" die Veränderungsfähigkeit des Handwerks in den Mittelpunkt. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Klimawandel und demografischer Wandel setzten Betriebe zunehmend unter Anpassungsdruck.
Kamen beim Jahresempfang Mittelhessen zusammen (von links): Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar Manfred Wagner, Leiterin des Berufsbildungs- und Technologiezentrums Lahn-Dill „Arnold-Spruck-Haus“ Carmen Fontaine, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wies-baden Pierre Schlosser, Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Gießen Dr. Christoph Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden Stefan Füll, Vizepräsident der Handwerkskammer Wiesbaden Joachim Wagner, Universitätsprofessor Dr. Michael Stephan, Vizepräsident der Handwerkskammer Wiesbaden Andreas Brieske.
Entscheidend sei, Mitarbeitende einzubinden, Qualifizierung zu stärken und Veränderung als gemeinsame Aufgabe zu verstehen.
Im Schlusswort dankte Hauptgeschäftsführer Pierre Schlosser den Gästen für den Austausch. Er machte deutlich, dass der Jahresempfang Mittelhessen eine wichtige Gelegenheit biete, um Anliegen der Betriebe sichtbar zu machen, politische Impulse aufzunehmen und den Dialog zwischen Handwerk, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in der Region weiterzuführen.